Wahrheit

Lange genug hat Gier mich festgehalten. Sie entsteht durch Angst davor, nicht zu überleben. Ich wollte mein Leben lang immer nur Erfolg finden. Und hab dabei so Vieles links liegen lassen. Warum glaube ich denn gierig sein zu müssen? Weil ich sonst zu wenig bekomme? Von was denn?

Von außen sieht man sowas nicht. Aber ich hab mich immer wahnsinnig wertlos gefühlt. Nichts erreicht zu haben hat für mich bedeutet nichts zu sein. Ich kenne dieses Gefühl dazu besser als jedes andere. Aufstehen, schlecht fühlen, Frühstück, möglichst viel arbeiten, ggf. besser fühlen.

Ich hab immer nach Lösungen gesucht. Ohne mich für die Probleme anderer zu interessieren. Meine Lösungen sollten mir immer nur Erfolg bringen.

Laut dem System ist es gut, Wissen zu nutzen, um viel Geld zu verdienen. Das bedeutet auch, die Schwächen derer auszunutzen, die sich nicht wehren können. Unsere Welt ist voll Zucker und unsere Apps voll von Reizen - warum? Es bringt Produkte hervor, die schlecht sind für Menschen.

Menschen sind wie eine einzige große Ameisenkolonie. Aber wir gleichen uns nicht aus, vielleicht ist das unser Problem. Wieso sollte Konkurrenz nötig sein, um Fortschritt zu haben?

Ich versuche nicht über Andere zu urteilen, aber mich hat Gier immer blockiert. Ich dachte immer ich arbeite gerne. Aber ganz ehrlich denke ich dass ich stattdessen einfach nur ungern nicht gearbeitet habe.

Es ist ein sehr schmaler Pfad der sich im Moment öffnet für mich. Ein Pfad zwischen Manie und Depression. Zwischen Angst vor Selbstlosigkeit und Selbstsucht. Mit meiner Wahrheit kommt viel mehr.

Wer klug ist, kann auch kluge Worte finden, um gieriges Verhalten zu erklären. Intelligenz ist kein Vorteil, sondern eine Verantwortung. Wenn die Versuchung so groß ist, wird es sehr schwer. Aber nur in schweren Zeiten kann man wirklichen Glauben entwickeln.

Am allermeisten möchte ich mit anderen verbunden sein. Menschen wollen echte Verbindungen. Ganz und vollständig dazuzugehören.

Ich wollte immer so etwas machen wie eine Mischung aus Gandalf, Yoda und dem Paten. Ehrlich gesagt bin ich gar nicht so weit weg davon. Ich möchte nicht irgendetwas bauen, weil man damit gut Geld verdienen kann. Ich arbeite jetzt nur noch für meinen Glauben.